Ein weiteres Feld, auf dem wir personale Freiheit erleben, ist die Vielfalt unserer Handlungsoptionen und insbesondere unsere Fähigkeit, nicht nur zwischen uns vorgegebenen Entscheidungsalternativen auswählen, sondern diesen kreativ neue Alternativen hinzufügen zu können. Wenn etwa die Speisekarte eines Restaurants unseren Wünschen nicht entspricht, können wir das Restaurant auch wieder verlassen oder versuchen, den Koch dazu zu bewegen, uns eine Speisenfolge nach unseren Wünschen zusammenzustellen. Wir erfinden ständig Neues, das es in dieser Form noch nie gegeben hat – und zwar nicht nur, wenn wir ein Gedicht oder einen wissenschaftlichen Aufsatz verfassen, sondern auch, wenn wir uns in irgendeinem Slum aus Abfallresten eine neue Hütte bauen. Vergleichen wir z.B. die Evolution der menschlichen Architektur weltweit mit den genetisch vorprogrammierten Bauten der Bienen oder der Störche, so haben wir einen quantifizierbaren Maßstab für das Mehr an kreativen menschlichen Frei- heitsgraden – und die sind keineswegs nur subjektiver Natur, sondern objektiver Ausdruck unserer Fähigkeit, unsere Umwelt entsprechend unseren höchst individuellen Wünschen und Bedürfnissen kreativ umzugestalten.

Clemens Cording in Heinze 2006, S. 227.

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