Frage: Verwechseln Sie in Ihrem Modell nicht die Begriffe Zufall und Freiheit?

Prof. Briegel: Die gespeicherten Erinnerungen sind in der Tat das Material, welches das künftige Verhalten des Agenten beeinflusst. Zufällige Variationen von Erinnerungen könnte man in der Tat als "sich nicht richtig erinnern" bezeichnen. Solche fiktiven Erinnerungen können aber auch eine Vorlage liefern, "wie es auch hätte sein können". Insofern liefern sie das Material für das Denkbare und Vorstellbare auf der Grundlage realer Erfahrungen. Wichtig ist dabei, dass diese Veränderungen nicht beliebig sind, sondern vom bewährten Erfahrungsschatz ausgehen. Werden solche Erinnerungen als Vorlagen für künftige Aktionen des Agenten herangezogen, wie es in unserem Modell der projektiven Simulation der Fall ist, dann definiert dies neue Handlungsoptionen. In unserem Modell erzeugt der Zufall also Optionen, ohne die es in der Tat keine Freiheit geben kann.

http://www.spektrum.de/alias/freier-wille/ohne-zufall-gibt-es-keine-freiheit/1168814; Interview vom 26.10.2012, abgerufen am 2.7.2013; Gerhard Samulat interviewt Prof. Briegel.

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