Quentin Meillassoux über Humes Problem:

"Worin besteht dieses Problem? Klassisch formuliert, lautet es so: Ist es möglich zu beweisen, dass die gleichen Ursachen auch in Zukunft die gleichen Wirkungen ceteris paribus, d.h. wenn sonst alle Dinge gleichbleiben, nach sich ziehen? Anders gesagt: Kann man nachweisen, dass unter gleichen Umständen die zukünftigen phänomenalen Folgen mit den gegenwärtigen identisch sein werden? Die Frage, die Hume stellt, betrifft daher unsere Fähigkeit zu beweisen, dass die physikalischen Gesetze in Zukunft diejenigen bleiben, die sie heute sind, oder, noch anders gesagt, unsere Fähigkeit, die Notwendigkeit der kausalen Verknüpfung zu beweisen." S. 116.

"1. Eine metaphysische Antwort auf die Frage Humes würde darin bestehen, die Existenz eines absoluten Prinzips zu beweisen, das unsere Welt regiert." S. 119.

"2. Die skeptische Lösung ist jene, mit der Hume seine eigene Frage beantwortet." S. 119.

"3. Der dritte Typ Antwort schließlich ist die transzendentale Antwort Kants, genauer, die objektive Deduktion der Kategorien, dargelegt in der Analytik der Begriffe in der Kritik der reinen Vernunft. … Kant sagt nicht, dass es absolut unmöglich ist, dass in Zukunft die Kausalität aufhört, die Welt zu regieren: Aber er sagt, dass es unmöglich ist, dass solch ein Ereignis sich manifestiert - und dies, weil nichts mehr Konsistenz besitzen würde, wenn die Kausalität aufhörte, die Welt zu regieren und daher nichts mehr vorstellbar wäre. … Die kausale Notwendigkeit ist demnach eine notwendige Bedingung für die Existenz des Bewusstseins und der Welt, die es erfährt. Anders gesagt: Es ist nicht unbedingt notwendig, dass die Kausalität alle Dinge bestimmt, aber wenn das Bewusstsein existiert, kann das nur sein, weil die Kausalität die Phänomene notwendigerweise bestimmt." S. 121f.

„Der Necessitäts-Schluss, der solch eine Argumentation trägt, lässt sich folgendermaßen formulieren: 

1. Wenn sich die Gesetze tatsächlich ohne Grund ändern könnten - wenn die Gesetze also nicht notwendig wären - würden sie sich grundlos regelmäßig ändern. 

2. Nun ändern sich die Gesetze nicht regelmäßig ohne Grund.

3. Folglich können sich die Gesetze ohne Grund nicht ändern: Anders gesgat, die Gesetze sind notwendig.“ S. 128.

„Wenn sich die Gesetze tatsächlich ohne Grund ändern könnten, wäre es außerordentlich unwahrscheinlich, dass sie sich nicht häufig - wenn nicht gar rasend schnell - änderten. Und dies in einem solchen Ausmaß, dass man - hier gehen wir von Hume zu Kant über - nicht nur sagen müsste, dass wir es schon gewusst hätten, sondern, dass wir niemals dagewesen wären, um es zu wissen - sosehr hätte das Chaos die Ordnung und die minimale Kontinuität, die von der Korrelation eines Bewusstseins und einer Welt erfordert wird, verunmöglicht. Die Notwendigkeit ist also zweifach bewiesen: einerseits durch die unvorstellbar unwahrscheinliche Tatsache der Stabilität, welche die Beständigkeit der Naturgesetze ist; andererseits durch die subjektive Rückseite dieser Beständigkeit, die das zur Wissenschaft befähigte Bewusstsein darstellt.“ S. 133.

Meillassoux 2008, div. Seiten

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