"Kant hat sich niemals darüber Rechenschaft gegeben, wie aus ihrem Ineinanderschieben ein Weltbild entstehen soll. Nach welchen Merkzeichen im Chaos der Empfindungen wenden wir denn die Raumform, nach welchen anderen die Zeitform, nach welchen die Kategorie der Substanz, nach welchen die der Kausalität an, und treffen wir unter den vielen Raumgestalten, Gruppierungen und Aufreihungen von Eigenschaften eine Auswahl? Oder sollen, wie Herbart ironisch fragt, die Dinge an sich die ihnen genehmen Formen, die, wie Kant sagt, in unserem Gemüte bereitliegen, sich nach Ermessen auswählen?" S. 334.

"Der Einwand, daß die Notwendigkeit der Urteile aufgehoben würde, wenn die "Dinge an sich" unter den gleichen Gesetzen wie unser Erkennen ständen, ist ganz nichtig; warum die Seinsformen kontingent und nur die Erkenntnisformen notwendig sein sollen, ist gar nicht abzusehen." S. 335.

"Die kantische Spekulation gleicht dem Magnetberge der Schiffersage, der alle Nägel und Klammern aus den Schiffen zieht, so daß die Planken zerfallend auf den Wogen treiben; sie nimmt alle formenden und ordnenden Elemente der Dinge für das Subjekt in Anspruch und läßt den Rest unbekümmert umtreiben." S. 336.

"Lösung der vier Antinomien: Das Ding an sich als Eines-Vieles, ποιόν-αποιόν, Grund-Ungrund, Möglich-Unmögliches ist ein mit so viel Widersprüchen behaftetes Unding, daß ein Denken, welches darauf geführt hat, selbst widersprechend und jedes Wahrheitsgehaltes bar sein muß." S. 339. 

Willmann 1979, div. Seiten.

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