"An vielen Stellen kann man verifizieren, dass die generelle Abwehr naturalistischer Entschlüsselung emotive Wurzeln hat. Manchen erscheint die Wissenschaft wegen ihrer Entzauberungsrolle (Max Weber) geradezu widerwärtig, und es werden die abenteuerlichsten Argumente zusammengekratzt, um irgendwo noch ein Refugium des Undurchdringbaren, Analyseresistenten zu retten. Die Situation zeigt einmal mehr, dass es die "reine Vernunft", den von den Emotionen unkontaminierten Verstand nicht gibt, weshalb wir sicher auch weiterhin mit dieser gespaltenen Situation leben müssen.

Hinzu kommt noch ein Argument aus der Neurobiologie. Es scheint so zu sein, dass in den frühen Kindheitsjahren die Weichen für die emotionale Orientierung, für Haltungen und Reaktionsmuster gestellt werden und dass zu späteren Zeiten durch noch so starke schlüssige Argumente auch an kognitiven Illusionen nichts mehr geändert werden kann, so dass regelrechte basale Umwertungen, z.B. von einer christlichen spirituellen Werteontologie zu einem eliminativen Materialismus, kaum vorkommen können."

Kantischeider 2007, S. 29.

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