Zitate zu Körper-Geist

Roth: ist das Geist-Gehirn-Problem gelöst?

"Ist das Geist-Gehirn-Problem damit gelöst?

Es mehr sich aufgrund des rasanten Fortschritts in der empirischen Bewusstseinsforschung die Zahl derjenigen Philosophen, die davon überzeugt sind, dass Geistzustände wesensmäßig Hirnzustände sind. Allerdings gibt es unter ihnen unterschiedliche Ansichten darüber, ob man deshalb auch Bewusstsein mit naturwissenschaftlichen Begriffen vollständig erklären könne. Einige wie die Philosophen Patricia und Paul Churchland halten diese Frage zumindest im Prinzip für beantwortet und sehen die Möglichkeit, die ganze "alltagspsychologische" Redeweise von geistigen Zuständen demnächst durch eine exaktere neurobiologische ersetzen zu können. Andere wie Thomas Metzinger und Michael Pauen lehnen eine solche "reduktionistische" Lösung des Geist-Gehirn-Problems ab, halten eine neurobiologische Erklärung des Bewusstseins im Prinzip aber für möglich. Wieder andere wie David Chalmers und Joseph Levine versuchen hingegen nachzuweisen, dass dies niemals gelingen wird, weil es hier eine unüberschreitbare "Erklärungslücke" gibt. 

Kein Hirnforscher wird trotz der genannten Fortschritte das Geist-Gehirn-Problem ernsthaft als bereits gelöst ansehen."

»Roth 2003, S. 134f.

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Eagleman: entscheidungsunfähige Ratten

"Ein Experiment mit einer Ratte verdeutlicht dies: Wenn am Ende eines Ganges Futter und ein Stromstoß auf sie warten, dann bleibt sie in einem bestimmten Abstand stehen. Unschlüssig nähert sie sich, nur um wieder kehrtzumachen und sich schließlich mit neuem Mut heranzupirschen. Sie schwankt zwischen zwei Möglichkeiten und weiß nicht, wie sie sich entscheiden soll. Wenn Sie messen, mit welcher Kraft sich die Ratte dem Futter nähert und mit welcher sie sich vom Stromstoß entfernt, stellen Sie fest, dass die Ratte genau an dem Punkt stehenbleibt, an dem die beiden Kräfte gleich groß sind und einander aufheben. Anziehung und Abstoßung sind gleich groß. Am Lenkrad der verwirrten Ratte drehen zwei Hände, die in  entgegengesetzte Richtungen steuern, weshalb sich die Ratte weder vorwärts noch rückwärts bewegt."

Eagleman 2012, S. 128.

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Roth: Verhältnis Bewusstsein - Gehirn

"Es zeigt sich, dass bestimmte Bewusstseinszustände und bestimmte Hirnvorgänge untrennbar miteinander verbunden sind, angefangen von einfachen Wahrnehmungsprozessen bis hin zu Zuständen des Dafürhaltens und Wissens. Ebenso lässt sich ... zeigen, dass allen Bewusstseinszuständen bestimmten unbewusste Prozesse zeitlich (200 Millisekunden oder länger) und in systematischer Weise vorhergehen." S. 332

"Warum aber sehen wir Geist überhaupt als physikalischen Zustand an und sind nicht einfach Dualisten, für die sich Geist grundlegend vom Materiell-Physikalischen unterscheidet? Der Grund hierfür ist, dass Geist - welcher physikalischen Natur er auch immer ist - eindeutig im Rahmen der Naturgesetze auftritt und unabdingbar an physikalische und im engeren Sinne an chemische und physiologische Gesetzmäßigkeiten gebunden ist. Dies ist mit einem Dualismus unvereinbar. Wie oben bereits beschrieben, geht geistige Aktivität im Gehirn mit einem hohen Sauerstoff- und Glukoseverbrauch und vielen anderen neuroelektrischen und neurochemischen Prozessen einher, und nach bisheriger Kenntnis sind die Beziehungen mehr oder weniger linear; d.h. je intensiver die geistigen Beziehungen, desto höher der Hinrstoffwechsel, der Transmitterausstoß, die Entladungsraten der Neurone usw. Hinzu kommt, dass es keine Eigenschaft geistiger Zustände gibt, die den Zuständen eklatant widersprechen. Dies wäre vor allem dann der Fall, wenn geistige Zustände überhaupt nicht an neuronale Prozesse gebunden wären." S. 339.

Gerhard Roth "Physik und Physiologie des Geistes" in Knaup 2011.

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Brüntrup: Über Physikalismus und Naturalismus

"Der Begriff "Physikalismus" wird in mehreren Bedeutungen gebraucht. Manchmal wird er mit dem Begriff "Naturalismus" synonym verwendet. ... Die Kernintuition des Naturalismus wird umgangssprachlich oft mit dem Gedanken umschrieben, dass es in der Welt "mit Rechten Dingen" zugehen muss. ...

Gemäß einem engen Begriff des Physischen zählt man nur das darunter, was heute die gegenwärtige Physik beschreiben kann. ... Es könnte auch sein, dass es einfach zwei Begriffe des Physischen gibt. Der engere, der nur mit funktional-relationalen Beschreibungen operiert, und der weitere Begriff des Physischen, der intrinsische Naturen wie zum Beispiel phänomenales Erleben als Eigenschaften des Physischen zulässt. Gegen einen solchen "liberalen" Naturalismus hätten viele Autoren nichts einzuwenden, die heute gemeinhin als Gegner des Physikalismus eingestuft werden. Der Begriff Naturalismus kann daher mit guten Gründen weiter gefasst werden als der des Physikalismus."

Godehard Brüntrup "Physikalismus und evolutionäre Erklärungen" in Knaup 2011, S. 331f.

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von Kutschera: Bewusstsein nicht im Gehirn

"Denken wir uns das Gehirn eines Menschen proportional so vergrößert, dass wir darin spazieren gehen könnten, so würden wir Nervenzellen und ihre Verbindungen finden, wir könnten physiologische Veränderungen feststellen, Erregungsmuster und ihre Entstehung und Verbreitung beobachten. Wir würden aber kein Bewusstsein finden, keine Empfindungen, keine Wahrnehmungen oder Denkvorgänge. Auch bei einem Spaziergang im Gehirn eines Menschen ließe sich das mentale Leben dieser Person nicht beobachten."

Franz von Kutschera in Knaup 2011, S. 236.

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Walter: Lösungsansatz für Qualiaproblem

"Die vorgeblich schwierigste Frage schließlich, nämlich die, ob sich bewusstes Erleben durch neuronale Prozesse vollständig erklären lässt, mag eine relativ triviale Lösung haben: Es ist tatsächlich ein wesentlicher Unterschied, ob ich Erleben aus einer dritten Personen-Perspektive erkläre, oder ob ich Prozesse aus der Perspektive des repräsentierenden Systems selbst heraus erlebe. Da es diesen unbezweifelbaren Unterschied gibt, hat man intuitiv das Gefühl, dass jeder noch so genauen Erklärung des Funktionierens eines Systems etwas fehlt. Daraus folgt allerdings keineswegs, dass es darum etwas Außernatürliches, etwa eine Seelensubstanz, geben muss, welche die eigentliche Ursache für diese oft tief empfundene Diskrepanz ist. Eine weitere Erklärung für die Überzeugung, dass jeder wissenschaftlichen Erklärung des Mentalen etwas fehlt, könnte auch darin liegen, dass der introspektive Zugang zu unserem Inneren weniger direkt und vor allem weniger zutreffend ist, als wir gemeinhin annehmen. Viele unserer mentalen Prozesse sind uns nämlich in ihrem Funktionieren gar nicht zugänglich. Sie funktionieren automatisch (Bargh 1999) und wir durchschauen sie nicht, sie sind, für uns selbst, opak - undurchsichtig. Tatsächlich könnte es sein, dass diese Undurchsichtigkeit eine Voraussetzung für die Art von phänomenalem Selbstbewusstsein ist, über die wir als Menschen verfügen. Die Aufgabe einer Theorie des Bewusstseins ist es nicht nur, phänomenale Eigenschaften bewusster Prozesse zu erklären, sondern auch zu erklären, wie es zu Fehlfunktionen des Bewusstseins kommen kann und wie es überhaupt sein kann, dass wir uns über uns selbst täuschen können (vgl. dazu Metzinger 2004)."

Henrik Walter in Engels 2005, S. 32.

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von Kutschera: Materialismus, Evolution und Leibniz-Gesetz

"Überlegen wir uns das genauer. Für den Materialismus scheint das Evolutionsargument zu sprechen: Am Beginn des Universums, beim Urknall, und noch etwa 13 Milliarden Jahre danach gab es, soweit wir wissen, kein Bewusstsein. alles, was in der Welt entstanden ist, ist aber aus dem entstanden, was schon da war. Also muss alles, was es in unserer Welt gibt, physischer Natur sein. Auch der Geist fiel nicht vom Himmel. Geistige Leistungen sind Leistungen des Gehirns, und das Gehirn ist ein Produkt der biologischen Evolution, ein physisches System, dessen Leistungen sich auch physikalisch verstehen lassen müssen. Mentale Phänomene müssen sich also physikalisch erklären lassen.

Eine physikalische Erklärung ist eine Erklärung mit physikalischen Prämissen, zu denen auch physikalische Gesetze gehören. Eine Erklärung ist nur dann korrekt, wenn die Konklusion aus den Prämissen logisch folgt. Nun folgen aber nach dem Leibniz-Gesetz aus physikalischen Prämissen keine Aussagen über Mentales. Es gibt also keine physikalische Erklärung von Mentalem und der Materialismus ist falsch."

von Kutschera in Knaup 2011, S. 241f.

Kommentar: während der erste Teil sehr klar die Position des Materialismus wiedergibt, basiert der zweite Teil allein auf der Gültigkeit des Leibniz-Gesetzes - was, wenn dieses falsch ist?

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Wikipedia: Philosophical zombie

"1. According to physicalism, all that exists in our world (including consciousness) is physical.
2. Thus, if physicalism is true, a metaphysically possible world in which all physical facts are the same as those of the actual world must contain everything that exists in our actual world. In particular, conscious experience must exist in such a possible world.
3. In fact we can conceive of a world physically indistinguishable from our world but in which there is no consciousness (a zombie world). From this (so Chalmers argues) it follows that such a world is metaphysically possible.
4. Therefore, physicalism is false. (The conclusion follows from 2. and 3. by modus tollens.)

Wikipedia-Artikel zu "philosophical zombie" - abgerufen im April 2014

Deutsche Übersetzung durch MR

1. Gemäss dem Physikalismus ist alles, was in unserer Welt existiert (inklusive Bewusstsein) physisch/physikalisch.

2. Daraus folgt, dass wenn der Physikalismus wahr ist eine metaphysisch mögliche Welt, die in allen physisch/physikalischen Tatsachen identisch ist mit unserer Welt all dies enthalten muss, was in unserer Welt existiert. Insbesondere muss auch bewusste Wahrnehmung in einer solchen möglichen Welt existieren.

3. Tatsächlich können wir uns aber eine Welt vorstellen, welche physisch/physikalisch ununterscheidbar ist von unserer Welt, in welcher es aber kein Bewusstsein gibt (eine Zombie-Welt). Daraus folgt (gemäss Chalmers), dass eine solche Welt metaphysisch möglich ist.

4. Daraus lässt sich schliessen, dass der Physikalismus falsch ist. (Der Schluss folgt von 2. und 3. mittels modus tollens)

 

 

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Bayertz: Materialismus und Naturalismus

"Als "materialistisch" im weiten Sinne galt [im 19. Jahrhundert] jeder Versuch, die Welt als eine natürliche Einheit zu begreifen und bei ihrer Erklärung auf direkte Eingriffe Gottes, auf teleologische Argumente oder auf einen separaten Geist und eine unsterbliche Seele zu verzichten. In der weiten Verwendung des Begriffs verschmolzen Materialismus und Naturwissenschaft zu einem identischen Unternehmen"

Bayertz 2012, S. XVIII

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Kaku: entscheidungsunfähige Mäuse

"Das funktioniert auch bei Mäusen. Man platziere eine Elektrode vor einem Stück Käse. Kommt die Maus zu dicht heran, erhält sie einen Elektroschock. Eine Rückkopplungsschleife sagt ihr, sich fernzuhalten, um den Schock zu vermeiden. Durch entsprechende Justierung der Elektrode kann man die Maus zum "Pendeln" bringen, hin- und herschwankend zwischen zwei widerstreitenden Rückkopplungsschleifen. Während ein Mensch in seinem Gehirn einen CEO als oberste Exekutive hat, der die Vor- und Nachteile der Situation abwägt, pendelt die Maus im Griff zweier widerstreitender Rückkopplungsschleifen vor und zurück."

Kaku 2014, S. 75.

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Pinker: Unbewusstes

"Hinter der Verkleidung des Bewußtseins verborgen, muß eine unglaublich komplizierte Maschinerie liegen - optische Sensoren, Systeme zur Bewegungssteuerung, Simulationen der Umwelt, Datenbanken über Menschen und Dinge, Zeitplaner, Konfliktlöser und vieles andere."

Pinker 2012, S. 31.

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Pinker: Geist ist evolutionär

Die meisten Intellektuellen glauben, der Geist des Menschen müsse irgendwie außerhalb des Evolutionsprozesses stehen. Evolution, so meinen sie, kann nur dumpfe Instinkte und festgelegte Handlungsmuster ahervorbringen: einen Sexualtrieb, ein Aggressionsbedürfnis, ein Territorialverhalten, Hühner, die auf Eier sitzen, und Entchen, die einer Attrappe folgen. Das Verhalten des Menschen ist in ihren Augen zu verwickelt und wandelbar, als daß es ein Produkt der Evolution sein könnte - es muß angeblich irgendwo anders herkommen, zum Beispiel aus der "Kultur". S. 41

"Der Geist des Menschen ist ein Produkt der Evolution, und das heißt: Unsere geistigen Organe sind entweder auch bei Affen vorhanden (und vielleicht auch bei anderen Säuge- oder Wirbeltieren), oder sie sind durch eine Verfeinerung des Geistes von Affen entstanden, insbesondere jenes gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Schimpansen, der vor etwa sechs Millionen Jahren in Afrika lebte." S. 57

Pinker 2012.

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Pinker: Geist ist, was das Gehirn tut

"Der Geist ist ein System von Rechenorganen, das von der natürlichen Selektion so gestaltet wurde, daß es die Probleme unserer vorfahren und ihres Jäger-und-Sammler-Lebens lösen kann, insbesondere indem es Gegenstände, Pflanzen, Tiere und andere Menschen versteht und überlistet. Diese Zusammenfassung kann man in mehrere Behauptungen zerlegen. Der Geist ist das, was das Gehirn tut; insbesondere verarbeitet das Gehirn Informationen, und Denken ist eine Art Rechenleistung." S. 34

"Ich behaupte, Denken sei Rechnen, aber das heißt nicht, daß der Computer eine gute Metapher für den Geist wäre. ... Der Geist ist Ergebnis einer von der natürlichen Selektion gestalteten Anpassung, aber das heißt nicht, daß alles, was wir denken, fühlen und tun, biologisch adaptiv wäre." S. 37

Pinker 2012, S. 34.

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Schmidt-Salomon: Evolution von Bewusstsein

"Auf dieser höheren biologischen Spielebene evolvierten zunächst einfache Nervennetze zu komplexeren Nervensystemen, aus denen später (bei Arten, die einem entsprechenden Selektionsdruck ausgesetzt waren) immer leistungsfähigere Gehirne erwuchsen, die es den Organismen ermöglichten, sehr viel flexibler auf Umweltreize zu reagieren. Mit dieser immer ausgefeilteren neuronalen Struktur ging eine kontinuierliche Veränderung des tierlichen Bewusstseins einher - von der eher diffusen Wahrnehmung angenehmer und unangenehmer Reize hin zu fein ausdifferenzierten, komplexen Gefühlswelten, von schematischen instinktiven Verhaltensweisen hin zu flexiblen kognitiven Verarbeitungsmustern, die den Individuen die Entwicklung intelligenter Problemlösungsstrategien erlaubten."

Schmidt-Salomon 2014, S. 153.

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Bunge: Naturalismus

"Wir haben bislang vom ontologischen Naturalismus gesprochen. Auf dessen Grundlage werden jedoch häufig weitergehende Naturalismen formuliert und vertreten. Diese sind zwar mit dem ontologischen Naturalismus vereinbar, aber insofern von ihm unabhängig, als sie alle falsch sein könnten, ohne ihn zu widerlegen. Solche anderen Naturalismen wären unter anderem:

  • der logische Naturalismus, wonach logische Gesetze nichts anderes als Denkgesetze sind und damit letztlich psychologische oder gar neurobiologische Gesetze;
  • der erkenntnistheoretische Naturalismus, demzufolge Erkenntnisprozesse von Organismen und damit Erkenntnisse allgemein als rein wissenschaftliche Probleme aufzufassen sind und somit letztlich ohne Zuhilfenahme einer philosophischen Erkenntnistheorie behandelt werden können;
  • der ethische Naturalismus, nach dem Werte und Normen in der Natur vorgegeben sind oder aus ihr abgeleitet werden können;
  • der soziale oder sozialwissenschaftliche Naturalismus, demzufolge Kultur und Gesellschaft keine eigenständigen (emergenten) Eigenschaften besitzen, so auf Natur reduzierbar und womöglich allein mit naturwissenschaftlichen Methoden verstehbar sind.

Viele Philosophen (einschließlich uns selbst) halten einige oder alle diese Naturalismen für falsch (Wendel 1990; Bunge 1998). Lesen wir also irgendwo, der Naturalismus sei unhaltbar oder widerlegt, sollten wir genauer hinschauen, um welchen Naturalismus es sich handelt, denn oft ist dies nur aus dem Kontext ersichtlich. Jedenfalls ist meistens nicht der ontologische Naturalismus gemeint."

Bunge 2004, S. 13.

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Bennett: Gehirn-Körper-Dualismus

„Die dritte Generation hielt an der cartesianischen Basisstruktur fest, bildete sie jedoch zu einem Gehirn-Körper-Dualismus um. Der Substanz-Dualismus wurde preisgegeben, doch der Struktur-Dualismus wurde beibehalten. Denn jetzt schreiben die Neurowissenschaftler dem Gehirn weitgehend die gleiche Reihe mentaler Prädikate zu, die Descartes vom Geist aussagt, und sie begreifen das Verhältnis zwischen Denken und Handeln sowie zwischen der Erfahrung und ihren Gegenständen ganz ähnlich wie Descartes, wobei im Grunde nur der Geist durch das Gehirn ersetzt wird. Das Hauptthema unseres Buchs war das Anliegen, die Inkohärenz des Gehirn-Körper-Dualismus nachzuweisen und seinen verfehlten Kryptocartesianismus aufzudecken.“

Bennett 2010, S. 186.

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Schröder: Möglichkeitsargument ist falsch

„Genauso könnte man nun argumentieren, dass die Verschiedenheit von Geist und Körper zwar logisch möglich ist, dass daraus aber nichts für die nomologische Möglichkeit folgt. In allen Situationen, die nomologisch möglich sind, die also unseren Naturgesetzen nicht widersprechen, könnte es trotzdem so sein, dass ich nur dann geistige Zustände habe, wenn ich in bestimmten körperlichen Zuständen bin. Wenn es aber auf die nomologische und nicht auf die logische Möglichkeit ankommt, weil uns Letztere nichts darüber sagt, was tatsächlich möglich ist, und wir von der logischen Möglichkeit nicht zur nomologischen Möglichkeit übergehen können, dann richtet diese logische Möglichkeit, dass der Geist ohne den Körper existieren kann, gar nichts für die Frage aus, ob er wirklich ohne Körper existieren kann. Das Möglichkeitsargument führt uns also nicht dorthin, wohin es uns führen will, nämlich zum Substanzdualismus.“

Schröder 2004, S. 50.

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Newen: quantenmechanischer Dualismus nach Eccles

"Dann aber stellt sich die Frage: Wie kann ein rein geistiges Phänomen körperliche Bewegungen, die für das Briefeschreiben erforderlich sind, verursachen? Hier spekulierte Eccles, dass der reine Geist quantenmechanische Prozesse im Gehirn beeinflussen kann, so dass dann die notwendigen Hirnaktivierungen in Gang gesetzt werden können. Der rein geistige Wille steuere über die Beeinflussung sogenannter Wahrscheinlichkeitsfelder die Transmitterausschüttung an Synapsen, insbesondere im supplementär-motorischen Areal, und darüber indirekt unsere Handlungen...

Diese Überlegungen sind aber nicht mehr als Spekulationen geblieben, denn es gibt kein Prinzip, das es ermöglicht, eine Wirkung von rein geistigen Prozessen irgendwie näher zu bestimmen, warum sie so und nicht anders wirken bzw. wie sie überhaupt quantenmechanische Wirkungen erzeugen könnten. Da ist es viel überzeugender anzunehmen, dass auch ein Wille schon neuronal in einem Menschen realisiert ist und nur so kausal wirksam werden kann."

Newen 2013, S. 18f.

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Beckermann: Argumente gegen Dualismus

"Probleme des interaktionistischen Dualismus

(1) Eine Wirkung des Geistes auf das Gehirn lässt sich empirisch nicht nachweisen.

(2) Auf die folgenden theoretischen Fragen gibt es keine nachvollziehbare Antwort:

(a) Warum sind die Wirkungen des Geistes so minimal und nur auf bestimmte Bereiche des Gehirns beschränkt?

(b) Wie ist ein Einwirken des Geistes auf den Körper mit den physikalischen Erhaltungssätzen vereinbar?

(c) Warum bedarf der Geist überhaupt eines komplexen und funktionsfähigen Gehirns, um kausal wirksam sein zu können?

(d) Wie sieht der Mechanismus aus, auf dem die kausale Beziehung zwischen Geist und Körper beruht?

(e) Warum kann mein Geist auf mein Gehirn, aber auf kein anderes Gehirn einwirken?"

Beckermann 2008, S. 56.

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Searle: Argument gegen Zombie-Argument

"Ob ein Sachverhalt logisch möglich ist oder nicht, hängt davon ab, wie man ihn beschreibt. Ist es logisch möglich, daß es im Universum physische Partikel ohne jedes Bewußtsein gibt? Die Antwortet lautet: Ja. Aber wenn die Bewegungen der physischen Partikel genauso ablaufen, wie sie es tatsächlich tun, und die Naturgesetze gelten, die, neben vielem anderen, diese Bewegungen so determinieren, daß sie Bewußtsein verursachen und realisieren, ist es dann möglich, daß kein Bewußtsein vorhanden ist? In diesem Fall lautet die Antwort nein."

Searle 2006, S. 140f.

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Falkenburg: naturalistischer Konstruktivismus

"Der "radikale Konstruktivismus" findet sich auch bei heutigen Hirnforschern und Neurophilosophen. Er wird uns im Verlauf dieses Buchs noch beschäftigen, etwa im Zusammenhang mit der These, unser Ich oder Selbst sei ein Konstrukt des Gehirns, und damit eine bloße Illusion. In dieser These schlägt die realistische Deutung von Ergebnissen der kognitiven Neurowissenschaft in einen Anti-Realismus bezüglich empirisch gut verbürgter mentaler Phänomene um - und hierin berühren sich die wissenschaftstheoretischen Extreme von Konstruktivismus und scientific realism."

Falkenburg 2012, S. 96f.

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Vollmer: Realismus

"Realisten gehen davon aus, daß es eine reale Welt da draußen gibt; daß sie großenteils außerhalb des Beobachters liegt, ihn jedoch einschließt; daß diese Welt strukturiert ist; daß einige ihrer Strukturen in Wechselwirkungen zwischen ihren Untersystemen bestehen; und daß unsere Theorien versuchen, diese Welt zu beschreiben, ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus den Ergebnissen solcher Wechselwirkungen zu rekonstruieren." S. 162.

"Was Realisten also gegen Idealismus, Konventionalismus oder Instrumentalismus vorbringen sollten, das ist - entgegen Putnam -, daß sie zwar nicht den Erfolg, wohl aber das Scheitern wissenschaftlicher Theorien als Wunder erscheinen lassen. Obwohl also der Realismus in der Lage ist, sowohl die Erfolge als auch das Scheitern wissenschaftlicher Theorien zu erklären, zeichnet er sich doch dadurch besonders aus, daß er die einzige Erklärung für ihr Scheitern liefert." S. 172.

"Alle gewöhnlichen Leute sind - entweder naive oder geläuterte - Realisten. Wir beginnen als naive Realisten, im Denken, im Reden, im Handeln und Reagieren. Es ist ein Scherz, wenn jemand, der an einer Schafherde vorbeigekommen ist und gefragt wird, ob die Tiere schon geschoren waren, antwortet: "Na ja, jene Schafe, an die ich mich erinnere, waren jedenfalls zu jenem Zeitpunkt auf der Seite, die sie mir zuwandten, nicht geschoren." Das ist ein Scherz, weil wir normalerweise so nicht reden. Das beweist nicht, daß der naive Realismus korrekt ist; es zeigt nur, daß er für das Überleben und für Alltagsbedürfnisse ausreicht." S. 179.

Vollmer 1993, div. Seiten.

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Lenzen: Zombie-Problem als zentrales Problem

Nach Meinung mancher prominenter Philosophen ist die Frage der Möglichkeit von Zombies ein oder gar das zentrale Problem der gegenwärtigen Philosophie des Geistes. Dahinter steckt folgende Überlegung. Wenn "physiologische Zombies" möglich sind, wenn also alle Vorgänge im menschlichen Körper und insbesondere alle Prozesse im menschlichen Gehirn auch ohne Bewußtsein bzw. ohne Erleben und Empfinden ablaufen können, dann entzieht sich das Phänomen des Bewußtseins jeder wissenschaftlichen Erklärung. Denn die gegenwärtige und künftige Naturwissenschaft kann immer nur das Funktionieren des Körpers, speziell des zentralen Nervensystems und des Gehirns, erforschen. Wenn die objektiven Gehirnzustände aber – wie vorausgesetzt bzw. angenommen wird – nicht zwangsläufig bewußte mentale Zustände nach sich ziehen, dann bleiben Geist, Bewußtsein bzw. subjektives Erleben wissenschaftlich unerklärlich und unbegreiflich.

Lenzen 1998, S. 1. Abgerufenes pdf vom 2.2.2014; in leicht abgewandelter Formulierung auch in  Lenzen in Spät 2008, S. 134.

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Searle: Naturalismus

"Unserem Weltbild liegt die Idee zugrunde, daß Menschen und andere höhere Tiere Teil der biologischen Ordnung sind wie jeder andere Organismus auch. Der Mensch ist Teil der Natur. Doch wenn dem so ist, dann sind die besonderen biologischen Charakteristika dieses Lebewesens - wie z.B. sein reiches Bewußtseinssystem, seine größere Intelligenz, seine Sprachfähigkeit, seine Fähigkeit zu außerordentlich feiner Wahrnehmungsdifferenzierung, seine Befähigung zu rationalem Denken, usw. - biologische Phänomene wie alle anderen biologischen Phänomene auch. Außerdem gehören all diese Merkmale zum Phänotyp. Sie sind das Ergebnis der biologischen Evolution genau wie jedes andere Merkmal des Phänotyps. Bewußtsein ist, kurz gesagt, ein biologisches Merkmal des Menschenhirns und des Hirns gewisser anderer Lebewesen. Es wird durch neurobiologische Vorgänge verursacht und ist ein Bestandteil der natürlichen biologischen Ordnung wie jedes andere biologische Merkmal (Photosynthese, Verdauung, Mitose)."

Searle 1996, S. 109.

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Spät: Panpsychismus gilt für alles

Wenn es in der Wirklichkeit tatsächlich geistige Eigenschaften gibt, dann müssen sie überall (‚pan’) anzutreffen sein. Andernfalls müsste dieser Pol zu einem späteren Zeitpunkt aufgetreten und damit emergent sein. Man kann die Probleme der Emergenztheorie also nur dadurch vermeiden, indem man der fundamentalsten Ebene der Wirklichkeit geistige Eigenschaften zuspricht. Beschränkt man die Dimension des Geistigen beispielsweise auf Lebewesen, so findet zwischen den lebendigen und den nicht-lebendigen Dingen ein qualitativer Sprung des Geistigen statt, der nicht erklärbar ist: Denn zum einen müssen die geistigen Eigenschaften von ‚irgendwo’ herkommen. Zum anderen bestehen geistbegabte Lebewesen aus genau den gleichen Elementarteilchen wie vermeintlich geistlose und nicht- lebendige Dinge.

Spät 2010, S. 116. Dissertation abgerufen am 2.2.2014.

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Bunge: Unmöglichkeit des Dualismus

"Die erste Schwachstelle des Dualismus ist seine Vagheit: Er sagt nicht, was der Geist ist, weil er keine Theorie des Geistes, ja nicht einmal eine Definition anbietet. Allenfalls wird gesagt, was der Geist nicht ist, nämlich nicht materiell, nicht räumlich, nicht lokalisierbar usw. ...

Aufgrund seiner völligen ontologischen Unklarheit gibt der Dualismus nicht nur keine Antwort auf die Frage, wie der Geist mit dem Gehirn interagieren soll, sondern auch auf die Frage, warum mein Geist nur mit meinem Gehirn interagiert und nicht mit mehreren, ja warum er überhaupt mit dem Gehirn interagiert statt mit der Leber oder dem Herzen oder ganz anderen Gegenständen (s. auch Beckermann 2001).

Ein dritter Defekt des psychophysischen Dualismus besteht in seiner Unvereinbarkeit mit der Evolutionstheorie. Ist der Geist immateriell, dann steht er im wahrsten Sinne des Wortes über der lebenden Materie und kann daher kaum Selektions- und Evolutionsprozessen unterliegen. Im Gegensatz dazu kann Geist als Gehirnfunktion zusammen mit dem Gehirn evolvieren.

Das schlimmste und wohl für seinen Bankrott entscheidende Kennzeichen des Dualismus ist seine wissenschaftliche Sterilität: Weder erweist er sich als heuristisch fruchtbar für die Forschung noch kann er irgendetwas zur Erklärung des Mentalen beitragen. In der Tat hat er für jedes Problem bereits eine Antwort parat: Die "Tätigkeit" des immateriellen Geistes. Welche neuen Forschungen sollte er so inspirieren? Gleichzeitig erklärt er mit seiner Allzweckantwort alles, was je einer Erklärung bedarf. Doch etwas, das alles erklärt, erklärt nichts. Damit ist er als Erklärungsinstanz unzulässig und auch überflüssig.  Zu guter Letzt ist der Dualismus unprüfbar, bzw. unfalsifizierbar:"

Bunge 2004. S. 145f.

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Searle: Dualismus

"Es ist nicht einfach, die Vorstellung, der Geist sei eine eigene Substanz, mit dem, was wir sonst über die Welt wissen, in Einklang zu bringen. Hier sind drei Versuche, genau das zu tun. Jeder beruht auf einer anderen Auffassung davon, was der Geist ist.

1. Göttliches Eingreifen: Die Physik ist unvollständig. Unsere Seelen sind etwas, das zum Rest der Welt hinzukommt. Sie werden durch göttliches Eingreifen erschaffen und sind nicht Teil der physischen Welt, wie sie von der Wissenschaft beschrieben wird.

2. Quantenmechanik: Das traditionelle Körper-Geist-Problem entsteht nur durch ein überholtes Newtonsches Verständnis des Physischen. Einer möglichen Interpretation der Quantenmessungen zufolge ist Bewußtsein erforderlich, um den Kollaps der Wellenfunktion zu vervollständigen und so Quantenpartikel und Quantenereignisse zu erzeugen. Demnach wird eine bestimmte Art von Bewußtsein nicht vom Rest der Natur erzeugt, sondern ist umgekehrt vielmehr selbst wesentlich für die Erschaffung der Natur. Dieses Bewußtsein ist ein ursprünglicher Teil der Natur, der nötig ist, um Gehirnprozesse und alles andere zu erklären.

3. Idealismus: Das Universum ist vollständig geistig. Was wir für die physische Welt halten, ist nur eine der Formen, die die zugrundeliegende geistige Realität annimmt.

Ich erwähne diese Positionen der Vollständigkeit halber. Ich stimme mit keiner von ihnen überein, und die zweite verstehe ich glaube ich nicht."

Searle 2006, S. 51f.

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Searle: Dualismus wird nicht verschwinden

"Viele, wenn nicht sogar die meisten Philosophen haben dem Dualismus abgeschworen, ...

Ich vermute, der Dualismus wird nicht verschwinden, auch wenn er unmodern geworden ist. In den letzten Jahren hat der Dualismus, zumindest der Eigenschaftsdualismus, sogar eine gewisse Renaissance erlebt, was teilweise an einem Wiederaufleben des Interesses am Bewußtsein liegt. Die Einsicht, die den Dualismus treibt, ist kraftvoll. Sehr vereinfacht lautet sie: Wir haben alle echte bewußte Erlebnisse und wissen, daß sie nicht von der gleichen Art sind wie die physischen Gegenstände um uns herum."

Searle 2006, S. 54.

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Falkenburg: Geist kein Quanteneffekt

"Die Entstehung des Geistes im Gehirn ist nun sicher kein Quanteneffekt. Neurone und ihre Vernetzungen sind relativ zu subatomaren Teilchen schon sehr groß, sie sollten sich also klassisch verhalten. ... Aber wie sehr die Quanten unsere üblichen Vorstellungen der Welt auch auf den Kopf stellen - das heißt noch lange nicht, dass sie denken und fühlen könnten, oder dass ihre Verschränkungen und Korrelationen gar irgendwie Fühlen und Denken hervorbringen könnten. ... Gehirn und Geist funktionieren anders als die Quantenphänomene in den Detektoren der Physiker."

Falkenburg 2012, S. 99.

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Searle: Unbewusstes

"Der Begriff des Unbewußten ist einer der verworrensten und am schlechtesten durchdachten Begriffe des modernen intellektuellen Lebens. Dennoch scheinen wir ohne ihn nicht weiterzukommen."

Searle 2006, S. 267.

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Robinson: vollständige Physik

"Um gleich zur Hauptsache vorzustoßen, wollen wir von vornherein einräumen, daß dann, wenn alles, was den Bereich des Mentalen auszeichnet, wirklich kausal durch eine Menge von "Zuständen" im Gehirn hervorgebracht wird, die Physik vollständig ist (um eine bekannte Maxime zu zitieren), und dann können wir damit beginnen, die Philosophen umzuschulen und auf eine zweite Laufbahn vorzubereiten."

Daniel Robinson in Bennett 2010, S. 255.

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Bennett / Hacker: Phantomschmerzen

"Nach unserer Auffassung ist es möglich, Empfindungen wie Schmerz und Jucken einem Ort zuzuordnen. Der Ort eines Schmerzes ist dort, wo der Leidende hinzeigt - in dem Glied, das er verarztet, in dem Körperteil, von dem er sagt, er schmerze -, denn diese Verhaltensweisen liefern die Kriterien für den Ort der Schmerzen." S. 205

"Ein Schmerz ist keine Substanz. Wenn ich im Fuß Schmerzen habe, stehe ich in keiner Beziehung zu diesen Schmerzen. Vielmehr ist es so, daß mein Fuß dort weh tut; und auf die schmerzende Stelle, die wir den "Ort der Schmerzen" nennen, kann ich zeigen. Im Fall der Phantomschmerzen fühlt es sich für den Leidenden so a, als habe er das amputierte Glied nach wie vor, und er behauptet, in dem eingebildeten Körperteil Schmerzen zu haben." S. 209.

"Daß die Schmerzen des Amputierten echt sind, während der empfundene Ort eingebildet ist (denn da ihm das Bein fehlt, tut es nicht weh), zeigt nicht, daß auch der empfundene Ort von Schmerzen eingebildet ist, die ein Nichtamputierter in seinem Bein spürt. Es ist wirklich das Bein, das weh tut! Wir unsererseits glauben nicht, daß es im Gehirn Körperbilder gibt, ...

Es ist jedoch völlig unklar, was Searle meint, wenn er sagt, "daß die Phantomschmerzen im Phantomfuß [...] einen Ort haben, und dieser Ort ist im Körperbild, das sich seinerseits im Gehirn befindet". Man kann zwar tatsächlich Schmerzen im Kopf haben, und üblicherweise werden sie als Kopfschmerzen bezeichnet; doch im Gehirn kann man weder Rücken- noch Magen- noch sonst irgendwelche Schmerzen haben." S. 209f.

Bennett 2010, diverse Seiten 

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Falkenburg: Gehirn könnte Geist hervorbringen, kein Dualismus

"Natürlich schließen diese Erklärungslücken nicht aus, dass das Gehirn den Geist hervorbringt. Es ist höchst unplausibel, dass die Evolutionsbiologie ausgerechnet in dem Punkt falsch sein sollte, der die letzte und größte narzisstische Kränkung der Menschheit nach Freud betrifft; zumal ja in Bezug auf die kognitiven Fähigkeiten und das Bewusstsein der Unterschied zwischen uns und den Tieren nur graduell ist - wir können Schimpansen, Katzen oder Raben nicht fragen, wie sie sich fühlen. Der Geist ist nicht vom Himmel gefallen, und der Dualismus ist durch meine kritische Untersuchung auch um keinen Deut plausibler geworden."

Falkenburg 2012, S. 403f.

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Falkenburg: Lassen Sie sich nicht einreden...

"Sie sehen hier: Der Hirnforschung würde eine wissenschaftsphilosophische Reflexion ihrer Methoden und Begriffe nicht schaden. Und Sie sehen auch: Die Erkenntnisse der Hirnforscher können heuristisch äußerst nützlich sein, etwa im Hinblick auf medizinische Therapien, ohne dass sie gleich unser gesamtes Menschenbild über den Haufen werfen müssen. Bitte deuten Sie also Einsichten wie die Bündel-Theorie des Selbst zunächst nur instrumentalistisch, aber nicht gleich realistisch! Halten Sie sie für ein gutes Instrument, um bestimmte Krankheitsbilder zu diagnostizieren und zu behandeln, aber halten Sie sie nicht für eine wahre Theorie des menschlichen Selbstbewusstseins. Und lassen Sie sich schon gar nicht einreden, Ihr Selbst sei eine Fata Morgana Ihres Gehirns."

Falkenburg 2012, S. 392.

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Falkenburg: menschliche Gedankenkräfte als nicht physische Ursachen

"Unabhängig davon, ob es Wunder, göttliches Eingreifen, menschliche Gedankenkräfte oder was auch immer neben physischen Ursachen gibt oder auch nicht: Eine Welt mit Kausalitätslücken kann schwerlich als kausal geschlossen betrachtet werden. ...

Wie Sie es auch drehen und wenden: Entweder Sie geben den Determinismus auf und die These (K) der kausalen Geschlossenheit der Welt besagt nicht mehr viel. Oder Sie bezahlen einen hohen metaphysischen Preis."

Falkenburg 2012, S. 378.

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Noë: Bewusstsein entsteht nicht im Gehirn

"Im Folgenden versuche ich aufzuzeigen, dass das Gehirn nicht der Ort in unserem Inneren ist, an dem sich das Bewusstsein ereignet, denn es ereignet sich nicht in unserem Inneren. Es geht nicht in unserem Inneren vor sich, sondern ist etwas, das wir aktiv durch unsere dynamische Interaktion mit unserer Umwelt entstehen lassen."

Noë 2012, S. 40.

"Das Bewusstsein entsteht nicht in unserem Gehirn, und der Körper ist kein komplexer Behälter für ein ansonsten eigenständiges Gehirn. Oder - mit Merleau-Ponty gesprochen - unser Körper gehört uns, er ist der Ort, an dem wir fühlen und durch den wir handeln, insofern als "der Strom seines auf die Welt gerichteten Tuns [ihn] durchfließt"."

Noë 2010, S. 96.

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Noë: alles Leben hat Geist und Bewusstsein

"Wenn uns das gelingt - und nun kommen wir zu meiner entscheidenden Behauptung -, gestehen wir dem Organismus gleichzeitig einen (zumindest) primitiven Geist zu. Die Frage nach dem Geist ist die Frage nach dem Leben. Die Biologie rückt das Lebewesen ins Blickfeld, doch überall dort, wo sich Leben entdecken lässt, können wir auch einen Geist ausmachen.

Meine Argumentation ist einfach. Wir können nicht beide Ansätze verfolgen. Wir können nicht sowohl die Existenz eines Organismus anerkennen und ihn gleichzeitig lediglich als Ort betrachten, an dem Prozesse oder physikalisch-chemische Mechanismen ablaufen. Und sobald wir den Organismus als Einheit betrachten, als mehr als einen reinen Prozess, erkennen wir ihn damit schon als Träger primitiver Handlungskompetenz, als Träger von Interessen, Bedürfnissen und Sichtweisen an. Das heißt, wir gestehen ihm ein zumindest rudimentäres Bewusstsein zu.

Die Frage nach dem Bewusstsein ist demnach die Frage nach dem Leben. Nun müssen wir verstehen, wie Leben in der Natur entsteht."

Noë 2010, S. 58f.

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Noë: Der Geist der Bakterie ist ihr Leben

"In diesem Buch argumentiere ich dafür, dass wir das Bewusstsein nicht als einen Vorgang in unserem Inneren sehen sollten. Der Geist einer Bakterie besteht nicht darin, wie es in ihrem Inneren aussieht. Er ist vielmehr Teil dessen, wie die Bakterie aktiv in ihre Umgebung eingreift und darauf reagiert. Es gibt zwar innere Korrelate des Bewusstseins: Nur Lebewesen mit einem entsprechenden Gehirn können bestimmte Erlebnisse haben, und zweifelsohne haben Bewusstseinsvorgänge neuronale Entsprechungen. Es gibt jedoch auch äußere Korrelate des Bewusstseins. Bewusste Wesen haben Welten, und zwar in dem Sinne, dass sich ihnen die Welt als etwas Wertgeladenes zeigt: Zucker! Licht! Sex! Verwandte! Der Geist einer Bakterie, soweit vorhanden, zeigt sich in der Art, wie sie auf ihre Umgebung reagiert und darin eingreift. Der Geist der Bakterie ist ihr Leben."

Noë 2012, S. 59.

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Searle: Sinnesdaten

"Obwohl Descartes keinesfalls der erste Philosoph war, der diese Auffassung vertrat, so ist der Schritt von der Auffassung, daß wir tatsächlich wirkliche Gegenstände wahrnehmen, zu der Auffassung, daß wir nur unsere Vorstellungen von Gegenständen wahrnehmen, ein Schritt von entscheidender Bedeutung in der Geschichte der Philosophie. Ich würde so weit gehen, zu behaupten, daß dieser Schritt die größte singuläre Katastrophe in der Geschichte der Philosophie der vergangenen vier Jahrhunderte darstellt. Im heutigen Jargon lautet diese Idee: Wir nehmen keine materiellen Gegenstände wahr, sondern nur "Sinnesdaten".

Searle 2006, S. 30.

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Noë: Bewusstsein ist Leben

Es scheint fast unglaublich, aber Alva Noë meint die Gleichsetzung von Bewusstsein und Leben wirklich ernst, was zu folgenden absurden Sätzen führt:

"Diese Verbindung zwischen Leben und Bewusstsein ist entscheidend. Ob ein Wachkomapatient ein Erleben hat, ist unter anderem deshalb so schwer einzuschätzen, weil sein Leben gänzlich unterbrochen wurde; gewissermaßen steht für uns sein Leben selbst infrage. Anders verhält es sich, wenn wir uns fragen, ob beispielsweise ein Hummer unsere Berührung spürt. Das Leben eines Hummers können wir anzweifeln, aber nicht, weil es unterbrochen wurde, sondern weil es uns so fremd ist."

Noë 2010, S. 64.

"The link between life and consciousness is critical. Part of what makes it so hard to jduge whether a person in a persistent vegetative state has experience is that her life has been utterly disrupted; in a way, her life itself is called into question for us. Matters are different when we aksi if, say, a lobster feels our touch. The lobster's life is questionable for us, not because it is disturbed, but because it is so alien. In neither case, thoug, is our problem that we cannot pull back the curtain and look inside. The organism's life is not inside."

Noë 2009, S. 46.

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Noë: Bewusstsein ist kein Phänomen des Hirns

"Cricks Vorstellung, dass wir unser Gehirn sind - oder einfacher ausgedrückt, dass das Bewusstsein ein Phänomen des Gehirns ist, so wie die Verdauung ein Phänomen des Magens ist -, wirkt so abstrus wie die Vorstellung von einem Orchester, das von allein spielt."

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Falkenburg: Bewusstsein nicht Quanteneffekt

"Einzelne Elektronen haben keine Farbe; doch ihre Wechselwirkungen innerhalb des Atoms führen dazu, dass farbige Lichtquanten absorbiert oder ausgesendet werden. Allerdings gibt es hier die Lichtquanten als empirisch nachweisbare "Träger" der Farbe, wie ephemer die Quanten des elektrodynamischen Felds auch immer sein mögen. Die Farbe entspricht der Energie, und die Energie ist eine Erhaltungsgröße, die in allen physikalischen Prozessen noch als eine Art "Substanz" erhalten bleibt. Wie weit trägt dieses physikalische Vorbild für das neuronale Netz in unserem Kopf? Gibt es hier auch "Austauschquanten", die als Träger von Bewusstsein fungieren könnten? Die Versuchung ist groß dies anzunehmen, doch wurden noch keine solchen bewussten Wechselwirkungsneurone entdeckt. 

An dieser Stelle die Quanteneigenschaften der Gehirnmaterie verantwortlich machen zu wollen, ist hochspekulative Metaphysik, falls es nicht auf einen Kategorienfehler hinausläuft. Bewusstsein - als Fähigkeit, etwas aus subjektiver Perspektive zu erleben - ist phänomenologisch etwas völlig anderes als physikalische Eigenschaften wie Farbe oder Energie, die sich objektivieren und messen lassen; und hierin liegt das größte Reduktionsproblem der Hirnforschung."

Falkenburg 2012, S. 341f.

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Singer: Erklärung des Homunculus-Problems

"Unserer Intuition folgend neigen wir zu der Annahme, daß es im Gehirn ein Zentrum geben müsse, in dem die Signale der verschiedenen Sinnesorgane konvergieren, mit gespeicherten Inhalten verglichen und nach erfolgter Deutung in Handlungsentwürfe umgesetzt werden. Descartes hat dieses so überaus plausible Postulat graphisch formuliert (Abb.1). Signale von verschiedenen Sinnesorganen sollten nach entsprechender Vorverarbeitung an einem einzigen Ort zusammengeführt und einer ganzheitlichen Interpretation unterworfen werden. Naturgemäß wäre dieses Konvergenzzentrum auch der Ort, wo Entscheidungen gefällt werden und wo das Bewußtsein residiert. Die implizite Annahme ist, daß an diesem Ort ein, vermutlich immaterieller, mit mentalen Eigenschaften ausgestatteter Beobachter die einlaufenden Informationen sammelt und adäquat interpretiert. Auch wenn der philosophische Schulenstreit darüber nach wie vor recht lebhaft ist, welcher ontologischen Kategorie dieser Beobachter zuzuschlagen sei und ob er überhaupt postuliert werden muß, kamen bis vor kurzem kaum Zweifel auf ob der Notwendigkeit eines Konvergenzzentrums. Erst die Ergebnisse neurobiologischer Nachforschungen haben uns gezwungen an der Richtigkeit unserer Intuition zu zweifeln. Die plausible Annahme eines Konvergenzzentrums, eines Cartesianischen Theaters mit einem singulären Zuschauer, ist in dramatischer Weise falsch."

Singer 2002, S. 144.

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Wikipedia: Homunculus

"Nun gibt es jedoch ein klassisches Argument gegen derartige Homunkulustheorien: Selbst wenn es einen Homunkulus geben würde, so müsste man sich fragen, wie es ihm gelingt, das innere Bild wahrzunehmen. Wenn der Homunkulus das innere Bild wahrnimmt, indem er selbst wieder ein inneres Bild erzeugt, so scheint man einen weiteren Homunkulus postulieren zu müssen, der das innere Bild des Homunkulus wahrnimmt. Man kann dieses Problem immer weiter fortführen, denn natürlich kann man auch fragen, wie der zweite Homunkulus das innere Bild des ersten Homunkulus wahrnehmen kann. Philosophen sprechen bei derart fortführbaren Problemen von einem infiniten Regress. Wenn man jedoch behauptet, dass der Homunkulus nicht ein inneres Bild erzeugen müsse, so kann man fragen, wieso nicht gleich vollständig auf innere Bilder und Abbildtheorien verzichtet wird."

http://de.wikipedia.org/wiki/Homunculus, Stand 29.9.2013.

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Falkenburg: kausale Verbindung Hirn-Bewusstsein

"Was also erklärt uns die Hirnforschung, und was erklärt sie uns nicht? Sie erklärt uns viele neuronale Mechanismen, die das Gehirngeschehen steuern. Und sie liefert uns tiefe Einsichten in beidseitige kausale Beziehungen [!], die das Gehirn und das Bewusstsein miteinander verbinden. Diese kausalen Beziehungen sind aber viel schwächer als die neuronalen Deterministen uns glauben machen wollen. Sie bilden ein loses Bedingungsgefüge im Sinne des Empiristen John Stuart Mill, aber keine Zusammenhänge, die durch strikt deterministische Gesetze regiert werden. Dabei erklären sie immerhin, welche physischen Faktoren kausal relevant für das Auftreten von mentalen Dysfunktionen sind, und wie sich mit Medikamenten oder anderen Therapien darauf Einfluss nehmen lässt."

Falkenburg 2012, S. 384f.

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Baars: Bewusstsein und Willensfreiheit

"Ich glaube, einer der Gründe, warum es vielen so schwerfällt, das Bewußtsein als wissenschaftlichen Gegenstand zu behandeln, ist, daß sie es unerträglich finden, daß wir keinen freien Willen haben, daß alles von diesen komischen kleinen Zellen abhängen soll, die in unserem Kopf herumfeuern und dergleichen mehr. Ich kann das gut nachvollziehen. So ein göttliches Wesen, eine platonische Verbindung mit dem Unendlichen, wäre schon eine wunderbare Sache; nur leider kenne ich keine Belege dafür.

Bernard Baars in Blackmore 2012, S. 31f.

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Bennett / Hacker: der Mensch als Ganzes nimmt wahr

"So etwas wie "Mein Körper nimmt wahr, denkt oder weiß etwas" sagen wir nicht. Doch das "System", von dem man sagen kann, das Gehirn gehöre dazu, ist der Mensch. Das menschliche Gehirn ist ein Teil des Menschen, genauso wie das Hundegehirn ein Teil des Hunds ist. Mein Gehirn - das Gehirn, das ich habe - ist im gleichen Maße ein Teil von mir - also ein Teil des lebenden Menschen, der ich bin - wie meine Arme und Beine. Es stimmt allerdings, daß man auch sagen kann, das Gehirn sei ein Teil meines Körpers.

... Doch Wissen, Wahrnehmen, Denken, Vorstellen usw. sind keine körperlichen Merkmale des Menschen und können von dem Körper, den der Mensch hat, genausowenig ausgesagt werden wie von dem Gehirn, das der Mensch hat. Der Mensch ist nicht sein Körper."

Bennett 2010, S. 190f.

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Churchland: Neuronen und Bewusstsein

"Wir wissen, daß es, wenn große Mengen von Neuronen absterben, wie bei der Alzheimer-Krankheit, zu Gedächtnisdefiziten kommt, die Kognition ist beeinträchtigt, die Persönlichkeit verändert sich, das Bewußtsein dafür, was andere denken und fühlen, nimmt ab und ebenso das Bewußtsein für Zeit und Raum. Ich betrachte das als ein Verblassen vieler Aspekte des Selbst und seiner Fähigkeiten, und man bekommt dabei zwangsläufig das Gefühl, daß die Person, die man gekannt und geliebt hat, nicht mehr da ist."

Patricia Churchland in Blackmore 2012, S. 90.

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Noë: Gehirn allein genügt nicht

"Das Bewusstsein entsteht nicht in unserem Gehirn, und der Körper ist kein komplexer Behälter für ein ansonsten eigenständiges Gehirn." S. 96.

"So, wie mein gewohnter Arbeitsweg teilweise von der Landschaft beeinflusst wird, in der ich mich befinde, so werden unsere Gewohnheiten ganz allgemein durch die Beschaffenheit der Welt ermöglicht (auch wenn wir natürlich wiederum die Welt durch unsere Handlungen formen). Die Vorstellung, dass das Gehirn allein die Beschaffenheit unseres bewussten Lebens erklären kann, erscheint somit immer dürftiger und abwegiger." S. 151.

"Das Bewusstsein findet nicht in unserem Gehirn statt, es ist kein Produkt des Gehirns. Es gibt mit Sicherheit keine soliden, empirischen Beweise für die Vorstellung, dass das Gehirn allein ausreichend für Bewusstsein ist." S. 195.

Noë 2010.

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Dennett: Aufgabe des Gehirns: Erwartungen über die Zukunft

"Um das zu verstehen, muß man sich vor Augen führen, wozu das Gehirn eigentlich da ist. Es ist dazu da, Erwartungen über die Zukunft zu generieren. Es ist dazu da - so kann man es sich am einfachsten vorstellen -, daß man sich duckt, wenn ein Ziegelstein angeflogen kommt."

Daniel Dennett in Blackmore 2012, S. 129.

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Noë: Bakterien haben Interessen

"Die Bakterie bewegt sich nicht nur deshalb durch ihr Umfeld, weil die Anwesenheit von Zucker einen bakterienförmigen Atomhaufen dazu bringt, sich in Richtung der größten Zuckerkonzentration zu begeben. Das Zusammenspiel zwischen Bakterie und Umfeld funktioniert anders. Die Bakterie braucht Zucker zum Leben, hat sich an ihre Umgebung angepasst, und deshalb wird sie von der Zuckerkonzentration angezogen. Die Bakterie ist nicht nur ein Prozess, sondern ein Handlungsträger, wenn auch ein sehr einfacher. Sie hat Interessen: Sie will und braucht Zucker. Natürlich ist die Bazille nicht schlau; davon ist sie weit entfernt. Sie versteht ihre eigenen Beweggründe nicht, von einem Verstand kann keine Rede sein, und auch den Ausdruck ihrer Bedürfnisse vermag sie kaum zu kontrollieren. Aber das sind technische Feinheiten. Fakt ist, dass die Biologie sich der Bakterie als einem Organismus, einem Lebewesen nur nähern kann, wenn sie die Bakterie als eigenständigen, von Interessen und Bedürfnissen geleiteten Handlungsträger anerkennt. Die Bakterie ist ein Subjekt in einer Umgebung, ein Organismus in einer Welt. Entscheidend ist, dass dieses Wesen eine Welt hat, das heißt, dass es zu seiner Umgebung in einer Beziehung steht."

Noë 2010, S. 57.

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Metzinger: Selbstmodell als Vorteil in der Evolution

"Unter den Organismen dieses Planeten hat über Millionen von Jahren ein ständiger, gnadenloser und grausamer Wettbewerb geherrscht, bei dem die Entwicklung von Dingen wie Gedächtnis, Denken oder bessere Wahrnehmung ebenso wichtig war wie bessere Beine, Lebern oder Herzen. Ich betrachte das menschliche Selbstmodell gern als neurocomputationale Waffe, als eine bestimmte Datenstruktur, die das Gehirn von Zeit zu Zeit aktivieren kann, etwa wenn man morgens beim Aufwachen seine sensorische Wahrnehmung und sein motorisches Verhalten aufeinander abstimmen muß. Die Ego-Maschine schaltet einfach ihr phänomenales Selbst ein, und das ist der Moment, in dem man zu sich kommt."

Thomas Metzinger in Blackmore 2012, S. 215.

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Damasio: der seltsame Dirigent

"Das Bewusstsein erwächst letztlich nicht aus einer bestimmten Stelle im Gehirn, sondern es entsteht gleichzeitig als Produkt dieser vielen Regionen, ganz ähnlich wie die Aufführung einer Symphonie, die nicht auf die Tätigkeit eines einzelnen Musikers oder einer Musikergruppe im Orchester zurückgeht. Das Seltsamste an den oberen Ebenen der Bewusstseinsaufführung ist das offenkundige Fehlen eines Dirigenten vor Beginn der Vorstellung. Wenn sie dann aber läuft, ist der Dirigent da. Unter allen praktischen Gesichtspunkten wird das Orchester jetzt von einem Dirigenten geleitet, aber dieser Dirigent wurde durch die Aufführung - das Selbst - erschaffen und nicht andersherum. Der Dirigent wird von Gefühlen und einer Erzählvorrichtung des Gehirns zusammengestückelt, er ist aber deshalb nicht weniger real. Dass der Dirigent in unserem Geist existiert, lässt sich nicht leugnen, und man gewinnt nichts dadurch, dass man ihn als Illusion abtut."

Damasio 2013, S. 35.

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Penrose: Quantenmechanik als Lösung des Mind-body Problems

"Das Gödel-Argument verrät uns für meine Begriffe, daß wir nicht einfach algorithmische Einheiten sind, daß Verstehen über das Berechnen hinausgeht. Es sagt nicht, daß es etwas Unphysikalisches ist, aber etwas Entscheidendes fehlt, und das hat mit Quantenmechanik zu tun. Ich argumentiere hier ein bißchen wie Sherlock Holmes - die Argumentation ist ziemlich schwach, das gebe ich zu - und sage, wenn man alles andere ausgeschlossen hat, muß das, was übrigbleibt, die Wahrheit sein, egal wie unwahrscheinlich sie ist. In der Quantenmechanik wird am offensichtlichsten, daß wir nicht genug über die Physik wissen. Wo sonst finden Sie in der Physik Nichtberechenbarkeit? Das scheint es nirgendwo sonst zu geben. Deshalb ist das vermutlich der Ort, wo wir suchen müssen."

Roger Penrose in Blackmore 2012, S. 253.

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Damasio: Geist und Quantenphysik rätselhaft

"Der bewusste Geist erscheint rätselhaft, und da die Quantenphysik bisher ebenfalls rätselhaft ist, besteht zwischen den beiden Rätseln vielleicht ein Zusammenhang."

Damasio 2013, S. 26.

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Searle: Bewusstsein und Quantenmechanik

"Es kann sein, daß wir quantenmechanische Erklärungsmodelle brauchen werden, aber ich habe da meine Zweifel, weil die meisten der mir bekannten quantenmechanischen Ansätze zur Erklärung des Bewußtseins offensichtlich zu nichts führen: Sie machen lediglich aus einem Rätsel zwei. Das Bewußtsein ist ein Rätsel; wie sollen wir es lösen? Ah, sieh mal, hier ist noch ein Rätsel: die Quantenmechanik. So, jetzt haben wir also zwei, aber eine Lösung ist für meine Begriffe für keines von beiden in Sicht."

John R. Searle in Blackmore 2012, S. 281.

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Eckoldt: mentale Regenwürmer

"Matthias Eckoldt: So weit würden Sie gehen? Ein Regenwurm mit mentalen Zuständen?

Frank Rösler: Natürlich! Wobei es darauf ankommt, wie man "mental" definiert. In dem Moment, wo sie etwas lernen, liegt all das "Kognitive" vor, das sich in wesentlich differenzierterer Form auch bei den Primaten findet. Zielgerichtetes Verhalten impliziert Wahrnehmungen, Entscheidungen und Lernen, lauter Konstrukte der Kognition, ob bei der Ameise, der Biene oder beim Menschen. Wir haben eine Beschreibungsebene, die durch das Verhalten definiert ist, und dafür haben wir bestimmte Begriffe geschaffen, die nicht unmittelbar mit unserer physikalischen Begriffswelt übereinstimmen."

Eckoldt 2013, S. 220.

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Hameroff: Seele als Quantenprozess

"Wenn die Quantenkohärenz in den Mikrotubuli verlorengeht, wie beim Herzstillstand oder Tod, lösen sich die Quanteninformationen der Planck-Skala in unserem Kopf auf und fließen in die Planck-Skala des Universums als Ganzen. Die Quanteninformationen, die während unseres Lebens unseren bewußten und unterbewußten Geist ausmachten, lösen sich allerdings nicht vollständig auf, sondern hängen wegen der Quantenverschränkung zusammen. Weil die Überlagerung bestehen bleibt und keine Zustandsreduktion, kein Quantenkollaps stattfindet, ähneln sie dann eher unserem Unterbewußtsein, unseren Träumen. Und weil das Universum auf der Planck-Skala ortlos ist, existieren sie holographisch, unbegrenzt. Ist das die Seele? Warum nicht."

Stuart Hameroff in Blackmore 2012, S. 177.

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Damasio: über Einzeller

"Wie sich herausstellt, zeigen auch Lebewesen ohne jedes Gehirn bis hinab zu den Einzellern scheinbar intelligente, zielgerichtete Verhaltensweisen." S. 44.

"Pflanzen haben keine Neuronen, und ohne Neuronen gibt es keinen Geist. Bei unabhängigen Lebewesen, die kein Gehirn besaßen, entwickelte sich noch eine andere wichtige Eigenschaft: die Fähigkeit, Veränderungen der physiologischen Bedingungen innerhalb ihrer selbst und in ihrer Umgebung wahrzunehmen. Schon Bakterien reagieren sowohl auf das Sonnenlicht als auch auf unterschiedlichste Moleküle: Bakterien in einer Petrischale sprechen auf einen Gifttropfen an, bilden einen Klumpen und weichen vor der Gefahr zurück. Eukaryontenzellen spüren auch die Entsprechung zu Berührung und Vibrationen.  ... Kurz gesagt, konnten einfache Organismen nur dann Erfolg haben und ihren Genen die Reise in die nächste Generation ermöglichen, wenn sie folgende Minimaleigenschaften besaßen: Sie mussten das Innere und die Umgebung des Organismus wahrnehmen, Regeln für Reaktionen besitzen und beweglich sein. Das Gehirn entwickelte sich als Apparat, der die Tätigkeiten Wahrnehmen, Entscheiden und Bewegen verbessern und immer effizienter und differenzierter ausführen konnte." S. 61f.

"Bakterienkolonien praktizieren in ihrer Gruppe regelmäßig das sogenannte "Quorum Sensing" und führen ganz buchstäblich Krieg, um die Oberhand über Territorien und Ressourcen zu behalten." S. 68.

"Kurz gesagt, haben einzellige Lebewesen mit einem Zellkern einen geistlosen, unbewussten Willen, zu leben und so lange für eine geeigente Regulation dieses Lebens zu sorgen, wie bestimmte Gene es ihnen erlauben." S. 70.

 "Mit anderen Worten: Weder ein ganzes Gehirn noch Einzeller beabsichtigen mit ihrem Verhalten gezielt irgendetwas, aber ihre Grundhaltung ist so, als wäre dies der Fall. Dies ist ein Grund mehr, die intuitive Kluft zwischen mentaler und physischer Welt zu leugnen. In diesem Punkt zumindest gibt es sie sicher nicht." S. 102.

Damasio 2013, div. Seiten.

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Nagel: Über Geist und Bewusstsein

"Solange das Mentale nicht auf das Physikalische zurückführbar ist, bleibt das Auftreten bewusster physischer Organismen durch eine naturalistische Darstellung des bekannten Typs unerklärt. Nach einem rein materialistischen Verständnis der Biologie hätte man das Bewusstsein als eine ungeheure und unerklärliche, ausscherende rohe Tatsache über die Welt zu betrachten." S. 70

Dem widerspricht bereits eine Stelle auf der darauffolgenden Seite:

"Das Auftreten tierischen Bewusstseins ist offenkundig das Ergebnis der biologischen Evolution, aber diese gutgestützte empirische Tatsache ist noch keine Erklärung - das Faktum erlaubt uns nicht schon zu sehen, warum das Ergebnis erwartbar war oder wie es zustande kam." S. 71.

Nagel 2013, diverse Seiten.

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