Viele esoterische, religiöse oder paranormale Behauptungen basieren auf der Intuition. Das Gefühl der unmittelbaren Gewissheit ist sehr stark und es fällt vielen Menschen schwer, diesem Gefühl zu misstrauen. Verstärkt werden solche Gefühle durch Erfahrungen, die es einem fast unmöglich machen an der Existenz eines Gottes zu zweifeln, daran, dass "alles Eins" ist, dass Menschen tatsächlich eine Aura haben, dass es noch "mehr" gibt zwischen Himmel und Erde etc. In der Regel können solche Erfahrungen nicht in Frage gestellt werden, weil das Erlebnis zu intensiv, die Gewissheit zu unmittelbar war. Die Person weiss dann einfach, dass Gott existiert, auch wenn sie es nicht näher begründen kann warum. Gerne wird auch behauptet, dass Menschen, welche diese Erfahrungen nicht gemacht hätten keine Ahnung hätten und deshalb darüber gar nicht mitreden könnten.

Dies jedoch ist ein Irrtum, da es verschiedene grundsätzliche Probleme rund um diese Erfahrungen gibt. Leicht lässt sich dies an Beispielen zeigen, wo sich jemand sehr, sehr sicher war - und sich dann doch getäuscht hat. Um als wissenschaftlich anerkannt zu werden genügen deshalb subjektive Erfahrungen nicht, sondern müssen diese überprüft, objektiviert und repliziert werden können.

Genau dies tut die "James Randi Foundation", welche eine Million Dollar ausgeschrieben hat für die Person, die unter wissenschaftlich kontrollierten Bedingungen zeigen kann, dass sie über paranormale Fähigkeiten verfügt. Bereits hunderte, wenn nicht tausende Personen haben dabei ihr Glück versucht – und sind allesamt gescheitert. Faszinierend daran ist aber insbesondere, dass diese Niederlagen kaum je dazu führen, dass die „speziell begabten“ Menschen an ihren Fähigkeiten zweifeln. Ein wissenschaftlicher Beweis hat für viele Menschen weniger Überzeugungskraft als das intuitive Gefühl, das ihnen eindeutig zeigt, dass sie diese Fähigkeiten haben. In der Regel ist es sehr einfach alternative Erklärungen für die "speziellen Begabungen" zu geben, doch wer „weiss“, dass er paranormale Fähigkeiten hat, „weiss“ es und wird nur schwer von seinem „Wissen“, respektive von seinem Glauben abweichen.

Die innere Gewissheit kennen auch nichtreligiöse oder nichtesoterische Menschen. Es gibt Dinge, an denen zu zweifeln das menschliche Selbstverständnis erschüttern kann. Auch wenn die heutige Philosophie behauptet, dass es kein „Ich“ gebe oder der Mensch nicht willensfrei sei – daran ernsthaft zu zweifeln erscheint sinnlos, absurd, unmöglich. Das intuitive Gefühl der Sinnlosigkeit oder Absurdität ist aber kein guter Gradmesser, um zu verstehen wie die Welt funktioniert, da dieses Gefühl unzuverlässig ist. Intuition ist ein wichtiger Helfer bei Entscheidungen des Alltags, aber nur bedingt geeignet (z.B. als Inspiration) für wissenschaftliche Erkenntnisse.

 

Kommentar hinzufügen
  • Keine Kommentare gefunden